Schamanismus und Liebe: Die drei Verträge in Beziehungen
- Sandra Sauter
- 10. Dez. 2025
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Dez. 2025
Vielleicht spürst du, dass Liebe vielschichtiger ist, als Worte es manchmal zulassen. Sie bewegt sich in Wellen, sie weitet, sie fordert heraus, sie öffnet Räume, in denen wir uns selbst ebenso begegnen wie einem anderen Menschen. Genau hier verbindet der schamanische Blick zwei Welten, die im Alltag oft getrennt werden: Schamanismus und Liebe. Im Blogartikel "Schamanismus und Liebe: Die drei Verträge in Beziehungen" erfährst du mehr darüber.
Inhaltsverzeichnis
Wie Beziehungen und Liebe im Schamanismus verstanden werden
In der schamanischen Tradition ist Beziehung kein zufälliges Zusammenspiel von Emotionen. Sie entsteht aus drei inneren Verträgen, die immer wirksam sind, bewusst oder unbewusst. Diese Verträge bestimmen, wie nah du einem Menschen kommst, wie sehr du dich zeigst und wie sicher du dich im Kontakt fühlst. Sie wirken im Körper, im Herzen und in der Art, wie du Entscheidungen triffst, oft lange bevor ein Konflikt sichtbar wird.
Vielleicht kennst du Momente, in denen Nähe sich warm und selbstverständlich anfühlt und andere, in denen sie brüchig wird, obwohl eigentlich Liebe da ist. Der schamanische Ansatz beschreibt dieses Erleben als Hinweis darauf, dass einer der drei Verträge gerade Aufmerksamkeit braucht. Er ist ein Modell, das Klarheit schenkt, ohne zu bewerten und dir hilft zu verstehen, warum bestimmte Begegnungen sofort tief wirken, während andere sich schwer anfühlen.
Schamanismus und Liebe begegnen sich hier in folgendem Gedanken:
Beziehung entsteht dort, wo zwei Menschen sich selbst treu bleiben und gleichzeitig den Raum zwischen sich bewusst gestalten.
Diese Perspektive lädt dich ein, mit viel Weichheit auf das zu schauen, was in dir lebendig ist – auf deine Wünsche, deine Grenzen, deine vertrauten Muster und auf die leisen inneren Bewegungen, die in Beziehungen oft deutlicher sprechen als Worte. Die drei Verträge bilden bei Schamanismus und Liebe das Fundament, auf dem du Liebe nicht nur fühlen, sondern bewusst leben kannst.
Schamanismus und Liebe: Die drei Verträge im schamanischen Verständnis von Liebe
In der schamanischen Lehre wird jede Beziehung von drei unsichtbaren Absprachen getragen. Sie sind wie innere Gefäße, die bestimmen, wie wir lieben, wie wir uns zeigen und wie viel Tiefe möglich ist. Diese Verträge sind nicht romantisch oder mystisch gemeint, sondern sehr menschlich. Sie wirken in jedem Kontakt – bewusst oder unbewusst – und prägen, wie stabil, frei oder nährend eine Beziehung sich anfühlt.
Wenn du beginnst, diese drei Ebenen wahrzunehmen, entsteht oft eine neue Klarheit. Du erkennst, wo du dir selbst treu bist, wo du dich verlierst, und wo ihr als Paar vielleicht aneinander vorbei liebt, obwohl die Verbindung da ist. Genau hier beginnt der schamanische Zugang zu Beziehung.
1. Der Vertrag mit dir selbst: Der innere Boden, auf dem alles steht
Bevor zwei Menschen einen gemeinsamen Weg gehen können, braucht jede*r einen klaren inneren Raum. Dieser erste Vertrag beschreibt deine Beziehung zu dir selbst. Er zeigt, wie gut du deine Bedürfnisse kennst, ob du Grenzen spürst und ob du dir erlaubst, authentisch zu sein.
Viele Menschen überspringen genau diesen Schritt, weil Liebe sich am Anfang so leicht anfühlt. Doch in jeder langen Beziehung wird sichtbar, wie wichtig diese innere Klarheit ist – sie bestimmt, ob du dich in Kontakt verlieren oder wiederfinden kannst.
Fragen, die diesen Vertrag spürbar machen:
Was brauche ich wirklich, um verbunden zu sein?
Welche Wünsche trage ich in mir, die bisher keinen Raum hatten?
Bleibe ich meinen Werten treu – auch in der Nähe zu einem anderen Menschen?
Je klarer dieser Vertrag wird, desto leichter fühlt sich Beziehung an. Er ist der Ort, an dem Selbstachtung, Weichheit und innere Wahrheit wachsen.
2. Der Vertrag deines Gegenübers: Der Raum, den der andere für sich hält
Der zweite Vertrag beschreibt nicht euch beide, sondern den eigenen inneren Raum deines Partners oder deiner Partnerin. Auch hier geht es um Bedürfnisse, Werte, Wünsche und Grenzen, allerdings nicht um deine, sondern um seine oder ihre.
In vielen Beziehungen entstehen Spannungen, weil diese zweite Ebene unsichtbar bleibt. Man hofft, der andere möge „ähnlich ticken“, oder man versucht, körpersprachlich zu erraten, was gebraucht wird. Doch schamanische Beziehungskultur lädt dazu ein, diesen Raum zu respektieren: als eigenen Kosmos mit eigener Geschichte.
Erst wenn zwei Menschen wissen, was sie selbst brauchen und was der andere für sich braucht, kann Nähe sich sicher anfühlen, nicht eng, nicht überfordernd, sondern klar getragen.
3. Der gemeinsame Vertrag: Der Raum, in dem eure Liebe lebt
Der dritte Vertrag entsteht zwischen euch beiden. Er ist die Berührungszone zweier innerer Welten. Hier entscheidet sich, wie ihr miteinander umgeht, wie ihr Konflikte klärt, wie ihr Nähe gestaltet und wie Sexualität sich entwickeln darf.
Dieser Vertrag entsteht nicht automatisch. Er wächst aus Gesprächen, aus Präsenz, aus gegenseitigem Zuhören und daraus, dass beide bereit sind, sich zu zeigen. Oft wird diese Ebene im Alltag überlagert, durch Rollen, Erwartungen oder unausgesprochene Wünsche. Doch sobald ihr innehaltet und neu schaut, entsteht ein Raum, der unglaublich kraftvoll sein kann: ein Ort, an dem Liebe sich einfach entfalten darf.
Fragen, die diesen dritten Vertrag stärken:
Was möchten wir gemeinsam hüten?
Wo finden wir uns – und wo verlieren wir uns?
Wie können wir einander Halt geben, ohne uns einzuschränken?
Wenn alle drei Verträge bewusst werden, entsteht eine Beziehung, die nicht aus Automatismen lebt, sondern aus echter Wahl.
Schamanismus und Liebe: Warum die drei Verträge so viel über eure Liebe erzählen
Wenn du die drei Verträge betrachtest, entsteht schnell ein Gefühl von Übersicht. Plötzlich wird sichtbar, warum bestimmte Muster sich wiederholen, warum manche Begegnungen leicht sind und andere schwer, warum Sexualität manchmal voller Leben ist und manchmal erschöpft wirkt. Die Verträge beschreiben nicht nur drei theoretische Ebenen, sie zeigen, wie Liebe sich in dir bewegt.
Der erste Vertrag spiegelt, wie du mit dir selbst verbunden bist. Der zweite zeigt, wie gut du die innere Welt deines Gegenübers wahrnehmen kannst. Und der dritte macht deutlich, was ihr gemeinsam erschafft – Tag für Tag, bewusst oder unbewusst.
Wenn einer dieser Bereiche zu wenig Raum bekommt, wird Beziehung schnell anstrengend. Vielleicht verlierst du dich in den Bedürfnissen des anderen. Vielleicht schützt dein Partner seine eigenen Grenzen stärker als die Verbindung. Oder euer gemeinsamer Raum wird von Erwartungen überdeckt, die niemand ausgesprochen hat.
Die drei Verträge laden ein, sanft und ehrlich zu spüren, wo eure Beziehung gerade steht:
Was ist stabil?
Was möchte wachsen?
Und wo entsteht vielleicht gerade ein neues Kapitel?
Viele Paare erleben genau dadurch mehr Nähe. Weil sie plötzlich nicht mehr gegeneinander arbeiten, sondern mit dem, was tatsächlich in beiden lebt. Manche merken, dass ihre Sexualität erfüllender wird, wenn ihre innere Beziehung zu sich selbst klarer ist. Andere entdecken, dass Konflikte weniger bedrohlich wirken, wenn sie verstehen, wie unterschiedlich ihre inneren Verträge geprägt sind.
Je bewusster diese drei Ebenen in Bezug auf Schamanismus und Liebe werden, desto natürlicher entsteht ein Miteinander, das auf Echtheit und Wahl basiert und nicht auf Anpassung, Angst oder alten Mustern.
Wie du die drei Verträge in deiner Beziehung erkennst
Wenn du die drei Verträge auf deine eigene Beziehung anwendest, wirst du schnell merken, dass sie nicht theoretisch sind. Sie zeigen sich in kleinen Gesten, in den Worten, die du sagst oder nicht sagst, im Gefühl, das sich zwischen euch ausbreitet, wenn ihr euch begegnet.
Der erste Vertrag betrifft deinen inneren Raum und wird spürbar, wenn du wahrnimmst, wie du mit dir selbst umgehst:
Nimmst du deine Bedürfnisse ernst?
Spürst du klar, was dir gut tut?
Kennst du deine Grenzen und Sehnsüchte oder errätst du eher, was passen könnte?
Je stabiler dein innerer Vertrag ist, desto leichter wird echte Verbindung.
Der zweite Vertrag ist der innere Raum deines Partners und zeigt sich darin, wie gut du seine oder ihre Welt sehen kannst, ohne dich selbst darin zu verlieren. Vielleicht spürst du, wann dein Gegenüber Ruhe braucht oder wann er oder sie sich nach Nähe sehnt. Vielleicht merkst du aber auch, dass du Interpretationen an die Stelle von echtem Zuhören setzt.
Der dritte Vertrag ist euer gemeinsamer Raum und wird in dem Moment sichtbar, in dem ihr miteinander sprecht, euch berührt, Entscheidungen trefft oder Konflikte klärt. Er zeigt, wie viel Freiheit, Vertrauen und Intimität zwischen euch wachsen dürfen. Und er offenbart, wo es enger wird und wo vielleicht neue Absprachen guttun würden.
Wenn du diese drei Ebenen nebeneinander legst, entsteht schnell ein Gefühl von Klarheit:
Was trage ich?
Was trägt mein Partner?
Und was entsteht wirklich zwischen uns?
Wie die drei schamanischen Verträge im Alltag spürbar werden
Im Alltag zeigen sich die Verträge im Bereich Schamanismus und Liebe oft auf unscheinbare Weise, lange bevor Worte fallen.
Anbei ein paar Beispiele, damit die drei Verträge greifbarer werden:
Du merkst, dass du oft nachgibst, obwohl du es nicht möchtest. Das ist der erste Vertrag: Dein innerer Raum braucht mehr Stimme. Dein Körper sagt vielleicht schon länger „Nein“, während dein Kopf sich anpasst.
Dein Partner zieht sich zurück, und du wirst unruhig. Das ist der zweite Vertrag: Du versuchst, die innere Welt deines Gegenübers zu verstehen, ohne den eigenen Boden zu verlieren.
Ihr sprecht kaum über Sex, aber beide spürt ihr, dass euch etwas fehlt. Das ist der dritte Vertrag: Euer gemeinsamer Raum bekommt nicht die Aufmerksamkeit, die er braucht, um lebendig zu bleiben.
Einer von euch braucht Verlässlichkeit, der andere mehr Freiheit. Das ist kein Konflikt, sondern ein Hinweis darauf, dass eure beiden inneren Verträge unterschiedliche Bedürfnisse tragen und der dritte Vertrag neu justiert werden möchte.
Typische Alltagssituationen, in denen sich die Verträge zeigen:
• Ihr redet aneinander vorbei, obwohl ihr euch liebt.
• Sexualität fühlt sich plötzlich anders an, ohne dass etwas „passiert“ ist.
• Einer von euch übernimmt automatisch Verantwortung, der andere zieht sich eher zurück.
• Nähe ist leicht, bis sie zu viel wird.
• Konflikte wiederholen sich, obwohl beide sich bemühen.
• Ihr wünscht euch Entwicklung, wisst aber nicht genau, an welcher Stelle beginnen.
Wenn du diese Momente durch die Brille der drei Verträge betrachtest, entsteht eine klare Übersicht. Du erkennst, wo die Bewegung gebraucht wird – bei dir, bei deinem Partner oder im „Wir“. Und diese Klarheit macht Beziehung leichter, nährender und ehrlicher.
Schamanismus und Liebe: Wie du die drei Verträge für eine bewusstere Sexualität nutzen kannst
Sexualität ist oft der Ort, an dem die drei Verträge besonders deutlich spürbar werden, weil sich hier Nähe, Wahrheit und innere Bewegungen unverhüllt zeigen. Wenn einer der drei Verträge wackelt, fühlt sich Sexualität schnell anders an: zurückhaltender, fordernder, unklarer oder einfach weniger lebendig.
Wenn du beginnst, Sexualität durch diese drei Räume zu betrachten, entsteht ein feiner Kompass – einer, der dir zeigt, was dein Körper wirklich braucht, was dein Herz sucht und was zwischen euch wachsen möchte.
Der erste Vertrag: Dein innerer Raum
Hier geht es darum, wie du dir selbst begegnest, bevor du jemand anderem begegnest.
Spürt dein Körper Lust oder Müdigkeit?
Kennst du deine Wünsche oder merkst du erst beim Sex, dass sie nicht angesprochen sind?
Fühlst du dich mit dir verbunden oder eher im Funktionsmodus?
Je klarer dieser innere Vertrag ist, desto leichter wird es, in der Sexualität ehrlich zu sein: mit deinen Berührungswünschen, deinen Grenzen, deiner Sehnsucht nach Tempo, Tiefe oder Leichtigkeit.
Der zweite Vertrag: Die innere Welt deines Gegenübers
Hier geht es weniger um Interpretation und viel mehr um Präsenz.
Wie reagiert dein Partner körperlich?
Öffnet sich etwas, wird etwas stiller, braucht etwas Raum?
Welche Sprache spricht sein oder ihr Körper?
Wenn du diesen Vertrag beachtest, wird Sexualität zu einem Dialog, der sich nicht über Worte, sondern über Atem, Spannung, Nähe und Resonanz zeigt.
Der dritte Vertrag: Der gemeinsame Raum
Das ist der Vertrag, der Sexualität wirklich trägt. Er zeigt sich in der Atmosphäre, die zwischen euch entsteht:
ob Berührung weich werden darf,
ob Worte sicher landen,
ob Stille angenehm ist,
ob euer Rhythmus harmoniert oder aus dem Takt geraten ist.
Hier entscheidet sich, wie viel Tiefe möglich ist und wie frei ihr miteinander sein könnt. Wenn dieser Vertrag Aufmerksamkeit bekommt, wird Sexualität weniger zu einer Leistung und viel mehr zu einem Erlebnis, das euch beide nährt.
Wenn alle drei Verträge stimmig sind, entsteht eine erfüllende Sexualität. Sie wird zu einem Raum, in dem ihr euch spürt, im Körper, im Herzraum und in eurer Verbundenheit.
Fazit: Warum die drei Verträge Beziehungen und Sexualität weicher machen
Die drei Verträge bringen nichts Neues in deine Beziehung, sondern machen lediglich sichtbar, was ohnehin schon da ist. Sie helfen dir zu erkennen, wie du mit dir selbst umgehst, wie gut du die Welt deines Partners wahrnehmen kannst und wie liebevoll oder eng euer gemeinsamer Raum geworden ist.
Je bewusster du diese drei Ebenen wahrnimmst, desto klarer wird, wo Bewegung möglich ist: ob in deinem eigenen Kontakt zu dir, in der Art, wie ihr miteinander sprecht oder in eurer Sexualität, die oft genau zeigt, was Lebendigkeit braucht.



Kommentare