Tantra Übungen für mehr Nähe und Verbindung im Alltag
- Sandra Sauter
- 18. Dez. 2025
- 14 Min. Lesezeit

Vielleicht bist du hier gelandet, weil du nach Tantra Übungen suchst, die sich nicht nach Selbstoptimierung anfühlen. Nicht nach etwas, das man korrekt ausführen muss, sondern nach einer Möglichkeit, Nähe wieder echter zu erleben, so, wie sie im Alltag gerade möglich ist.
In meiner Arbeit mit Paaren erlebe ich oft, dass der Wunsch nach Verbindung groß ist, der Körper aber nicht immer sofort mitgeht. Menschen sehnen sich nach Nähe und merken gleichzeitig, dass Berührung schnell anstrengend wird oder Erwartungen auslöst. Genau an dieser Stelle können Tantra Übungen hilfreich sein, wenn sie nicht als Technik verstanden werden, sondern als Einladung, ehrlich wahrzunehmen, was gerade da ist.
Dieser Artikel ist aus vielen echten Begegnungen entstanden. Aus Momenten, in denen nichts spektakulär war, aber viel gespürt wurde. Wenn du Tantra Übungen suchst, die Platz lassen für müde Tage, volle Köpfe und unterschiedliche Bedürfnisse, dann findest du hier Anregungen.
Inhaltsverzeichnis
Warum Tantra Übungen oft anders wirken als erwartet
Viele Menschen stoßen auf Tantra Übungen mit einer klaren Hoffnung. Mehr Nähe, mehr Verbindung, vielleicht auch mehr Lust oder Leichtigkeit im Kontakt. Dieser Wunsch entsteht oft aus dem Gefühl, dass sich die Beziehung im Alltagsstress verändert hat. Vielleicht finden Berührung und Intimität noch statt, fühlen sich aber mehr nach Zwang oder Gewohnheit an anstatt nach echter Verbindung. Tantra Übungen wirken am tiefsten, wenn sie nicht als Technik verstanden werden, sondern als Teil einer gelebten Tantra Sexualität. Was das im Alltag bedeutet, beschreibe ich im Artikel Tantra Sexualität ausführlicher.
Was viele überrascht, ist, dass Tantra Übungen nicht automatisch angenehm sind. Statt Nähe taucht manchmal Unruhe auf. Der Atem wird flacher, die Gedanken rasen und der Körper fühlt sich eng oder plötzlich weit weg an. Das irritiert, weil Tantra meist mit Entspannung und Verbundenheit verbunden wird.
Genau hier beginnt jedoch ein wichtiger Perspektivwechsel. Tantra Übungen sind keine Werkzeuge, um ein bestimmtes Gefühl herzustellen. Sie zeigen vielmehr, wie der Körper in diesem Moment auf Nähe reagiert, mit allem, was er gerade mitbringt: den Tag, den Stress, alte Muster von Anspannung oder Rückzug. Wenn das äußere Tempo sinkt, wird oft erst sichtbar, wie viel innere Bewegung da ist.
Gerade in Paaren zeigt sich das oft sehr unterschiedlich. Tantra Übungen wirken nicht anders, weil sie falsch gemacht werden, sondern weil sie ehrlich sind. Nähe entsteht dann nicht durch korrektes Ausführen, sondern durch die Bereitschaft, wahrzunehmen, was im eigenen Körper gerade geschieht. Und genau dort beginnt Tantra.
Manche Paare merken an dieser Stelle, dass sie sich für dieses Erforschen von Nähe einen angeleiteten Rahmen wünschen, in dem sie nicht vergleichen müssen und in ihrem eigenen Tempo bleiben können. In einer 1:1 Begleitung Tantra für Paare entsteht genau dieser Raum.
Was eine Tantra Übung eigentlich ist, wenn man sie alltagstauglich versteht
Eine Tantra Übung ist nichts, das man „richtig“ machen muss. Sie ist auch kein festes Ritual und keine Technik, die automatisch Nähe erzeugt. Alltagstauglich verstanden ist sie vor allem eines: ein gemeinsamer Moment, in dem Aufmerksamkeit langsamer wird und der Körper wieder mitreden darf.
Im Kern geht es nicht darum, etwas Bestimmtes zu erleben, sondern darum, wahrzunehmen, was gerade da ist:
Wie fühlt sich Nähe heute an?
Wie reagiert mein Körper, wenn wir still werden?
Was passiert in mir, wenn Berührung keinen Auftrag hat und nichts erreichen soll?
Viele Menschen erwarten von einer Tantra Übung einen Effekt, beipielsweise mehr Verbundenheit, mehr Entspannung oder mehr Lust. Im Alltag funktioniert Nähe jedoch selten linear. Mal tut Langsamkeit gut, mal macht sie unruhig. Mal fühlt sich Blickkontakt verbindend an, mal eher fordernd. Eine Tantra Übung ist ein Angebot, genau diese Unterschiede ernst zu nehmen.
Alltagstauglich wird Tantra dort, wo Übungen nicht größer gemacht werden, als sie sind. Es braucht keine besondere Stimmung, keine lange Vorbereitung und keine perfekte Zeit. Eine Übung kann wenige Minuten dauern und jederzeit abgebrochen werden. Entscheidend ist die Haltung, mit der ihr euch begegnet.
Eine Tantra Übung beginnt oft viel früher, als man denkt. Zum Beispiel in dem Moment, in dem jemand bemerkt, dass er gerade schneller wird als gut tut, und innehält. Oder wenn eine Hand liegen bleibt, statt weiterzumachen. Im Alltag heißt das: Tantra Übungen müssen sich an euch anpassen, nicht umgekehrt.
Bevor ihr mit Tantra Übungen startet: Drei kleine Checks, die euch Stress ersparen
Bevor ihr mit einer Tantra Übung beginnt, lohnt es sich, kurz innezuhalten. Schenkt euch einen Moment, um aus dem Kopf und im Körper anzukommen. Diese drei kleinen Checks machen oft den entscheidenden Unterschied zwischen einer nährenden Erfahrung und unnötigem Druck.
1. Wie voll bin ich gerade wirklich?
Fragt euch ehrlich, wie es euch im Moment geht und spürt dabei insbesondere im Körper nach. Bin ich müde, angespannt, unruhig, noch im Kopf bei etwas anderem? Nähe wirkt anders, wenn der Tag noch im Körper hängt. Es ist vollkommen in Ordnung, eine Übung abzukürzen oder zu verschieben, wenn gerade wenig Kapazität da ist. Tantra beginnt mit Ehrlichkeit, nicht mit Durchziehen.
2. Habe ich die Freiheit, jederzeit weniger zu machen oder aufzuhören?
Bevor ihr startet, klärt für euch innerlich, dass Pausen, Veränderungen oder ein Abbruch jederzeit möglich sind. Der Körper entspannt sich spürbar, wenn er weiß, dass nichts eingefordert wird. Diese innere Wahlfreiheit ist wirklich wichtig.
3. Gehe ich in Kontakt oder in Erwartung?
Manchmal schleichen sich leise Hoffnungen ein, zum Beispiel, dass es heute besonders schön wird, dass Nähe endlich wieder leicht fällt oder das etwas gelöst wird. Nehmt das wahr, ohne es wegzuschieben. Und erlaubt euch dann, die Übung als Begegnung zu sehen, nicht als Mittel zum Zweck. Je weniger etwas entstehen muss, desto mehr kann sich zeigen.
Woran ihr merkt, dass eine Übung gerade zu viel ist und was dann hilft
Manchmal kippt eine Tantra Übung ganz leise. Nicht mit einem klaren Stopp, sondern eher schleichend. Eben noch fühlte sich der Kontakt stimmig an, und plötzlich wird es enger. Nähe, die eigentlich guttun sollte, beginnt sich fordernd anzufühlen.
Typische Anzeichen dafür sind:
ein flacher oder stockender Atem
ein inneres Wegdriften oder das Gefühl, funktionieren zu müssen
Manche merken, dass sie innerlich ungeduldig werden oder anfangen zu überlegen, wie lange das noch dauert
Andere spüren eine diffuse Enge im Brustraum
oder ein Bedürfnis, sich zu bewegen, obwohl äußerlich alles ruhig ist.
Was in solchen Momenten hilft, ist nicht mehr Disziplin und auch kein Durchhalten. Es hilft, die Übung in der Intensität abzuschwächen. Vielleicht löst ihr den Blickkontakt, ohne ihn ganz zu beenden. Vielleicht nehmt ihr die Hände kurz zurück oder lasst sie einfach nur liegen, ohne weiterzugehen. Manchmal reicht es schon, den Abstand zu vergrößern oder gemeinsam ein paar Atemzüge lang nichts zu tun.
Wichtig ist die innere Erlaubnis, dass Nähe sich verändern darf. Dass weniger nicht gleich Rückzug bedeutet. Sobald der Körper spürt, dass nichts eingefordert wird und jederzeit ein Schritt zurück möglich ist, kann sich Spannung lösen. Oft wird der Atem dann von selbst wieder ruhiger, und das Gefühl von Druck lässt nach.
Manchmal zeigt eine Übung auch ganz ehrlich: Für heute ist es genug. Vielleicht braucht es gerade Ruhe statt Kontakt, Bewegung statt Stillhalten oder ein paar Worte statt Berührung. Auch das ist kein Scheitern, sondern Teil einer stimmigen Selbstregulation. Wie unterschiedlich Menschen auf Nähe reagieren, hängt oft weniger mit der Übung selbst zusammen als mit ihren Bindungsmustern. Darauf gehe ich im Artikel Bindungstypen verstehen genauer ein.
Tantra Übung 1: Ankommen im eigenen Körper
Diese Tantra Übung richtet den Fokus zunächst auf den eigenen Körper. Genau das macht sie so wirksam, gerade für Paare, die Nähe suchen und dabei oft übersehen, wie wenig sie im Moment wirklich bei sich sind.
Setzt euch so hin, dass ihr euch sehen könnt, ohne euch zu berühren. Die Füße haben Bodenkontakt, der Rücken darf sich anlehnen oder aufrichten, so wie es sich jetzt stimmig anfühlt. Nehmt euch einen Moment, um wahrzunehmen, wie ihr gerade hier seid. Spürt ehrlich hinein, was da ist. Vielleicht Ruhe, Unruhe, Müdigkeit oder Spannung. Alles darf sein. Nehmt auch den Atem wahr - wie fließt er gerade? Erst wenn ihr euch selbst etwas klarer spürt, beginnt die gemeinsame Tantra Übung.
Wenn Blickkontakt gut tut und wenn er Druck macht
Hebt nun langsam den Blick zum anderen. Nicht als festen Blickkontakt, der gehalten werden muss, sondern eher wie ein vorsichtiges Öffnen. Ein paar Atemzüge lang schauen, dann den Blick wieder lösen. Vielleicht mehrmals hintereinander, vielleicht nur einmal. Achtet darauf, was das in euch auslöst.
Für manche fühlt sich Blickkontakt sofort verbindend an. Der Atem wird ruhiger, der Körper weicher, ein Gefühl von Kontakt entsteht fast von selbst. Für andere taucht genau hier Druck auf. Gedanken werden lauter, der Körper spannt sich an, oder es entsteht das Gefühl, gesehen werden zu müssen. Beides ist gleichwertig und eine wichtige Information.
Varianten für müde Tage und volle Köpfe
Es gibt Tage, an denen selbst diese einfache Übung viel sein kann. Wenn der Kopf voll ist, der Körper müde oder das Nervensystem ohnehin auf Spannung läuft. Dann darf die Übung angepasst werden, ohne dass sie an Wert verliert. Statt euch anzuschauen, könnt ihr nebeneinander sitzen und gemeinsam in den Raum blicken. Spürt euch selbst, während ihr wisst, dass der andere da ist. Nähe entsteht hier nicht über den Blick, sondern über das gemeinsame Ankommen im selben Raum.
Manche Paare empfinden es als entlastend, die Augen zwischendurch zu schließen und nur den eigenen Atem wahrzunehmen, bevor sie den Blick wieder öffnen. Andere brauchen mehr Abstand, weniger Zeit oder mehrere kurze Durchgänge statt einer längeren Phase. Diese Übung passt sich euch an, nicht umgekehrt. Ihr müsst nichts durchziehen und nichts erreichen. Ihr merkt, dass sie wirkt, wenn ihr euch danach etwas klarer, etwas präsenter oder einfach ehrlicher im Kontakt fühlt. Und manchmal zeigt sie auch: Heute ist das genug. Auch das ist ein stimmiges Ergebnis.
Tantra beginnt genau hier, mit dem Moment, in dem ihr euch selbst im eigenen Körper wieder wahrnehmt. Von dort aus darf alles Weitere entstehen, in seinem eigenen Tempo.
Tantra Übung 2: Die Schönheit absichtsloser Berührung
Vielleicht wirkt die Tantra Übung auf den ersten Blick unspektakulär. Keine Bewegung, kein Ablauf, keine Steigerung. Und genau deshalb berührt sie oft sehr tief. Sie bringt etwas an die Oberfläche, das im Alltag leicht übergangen wird: wie sehr Berührung sonst fast immer mit Tun, mit Wirkung oder mit Erwartung verbunden ist.
Eine Person legt eine Hand auf einen neutralen Körperbereich der anderen. Rücken, Schulter, Oberarm sind gut geeignet. Die Hand liegt da, mit Kontakt, mit Gewicht, mit Wärme. Sie bleibt. Mehr passiert nicht. Kein Streicheln, kein Halten im Sinne von Festhalten, kein Nachjustieren.
Beide richten die Aufmerksamkeit nach innen. Die gebende Person spürt die eigene Hand, den eigenen Atem, die eigene Präsenz. Die empfangende Person nimmt wahr, was im Körper geschieht, wenn Berührung einfach da ist, ohne etwas zu wollen. Diese Form von Berührung knüpft an das an, was viele Paare als Slow Sex erleben.
Wenn ihr absichtslose Berührung bewusster erforschen möchtet, könnt ihr im 1:1 Tantramassage lernen Berührung als Beziehungssprache vertiefen, angepasst an euren Alltag und eure Dynamik.
Warum genau diese Tantra Übung so viel zeigt
Sie ist ein guter Spiegel, wie vertraut oder unvertraut Ruhe im Kontakt ist. Viele merken nach kurzer Zeit, dass innerlich Bewegung entsteht. Gedanken tauchen auf, ein Impuls, doch etwas zu tun, vielleicht Unsicherheit oder der Wunsch, es dem anderen angenehm zu machen. Andere erleben plötzlich Entlastung, ein tieferes Atmen oder ein Gefühl von Gehaltensein, das ungewohnt ruhig ist.
Beides erzählt etwas Wesentliches. Die Hand wird zum Spiegel für innere Muster. Für Leistungsbereitschaft, für Kontrolle, für die Frage, ob Nähe nur dann stimmig ist, wenn etwas passiert. Gerade weil so wenig äußerlich geschieht, wird innerlich viel sichtbar.
Manche Paare sind überrascht, wie intim diese Stille sein kann. Andere merken, dass genau diese Form von Nähe zunächst schwer auszuhalten ist. Auch das gehört dazu. Die Übung fragt nicht nach einem bestimmten Erleben, sondern lädt dazu ein, dem eigenen Erleben Raum zu geben.
Stop Signale, die ihr ernst nehmen solltet
Während die Hand liegt, lohnt es sich, auf feine Signale zu achten. Der Körper meldet sich oft leise, lange bevor etwas eindeutig unangenehm wird. Der Atem wird flacher, die Aufmerksamkeit driftet weg, die Hand fühlt sich schwer oder mechanisch an. Manchmal entsteht innere Unruhe oder der Wunsch, innerlich schon bei der nächsten Übung zu sein.
Diese Signale sind keine Störung, sondern Orientierung. Sie zeigen, dass es gerade genug ist. Die Hand darf dann gelöst werden, langsam und bewusst. Vielleicht begleitet von einem Atemzug oder einem kurzen Innehalten. Nähe geht dadurch nicht verloren, sondern wird oft erst dadurch wieder stimmig.
Auch für die empfangende Person gilt: Wenn sich etwas eng anfühlt oder der Körper sich zurückziehen möchte, darf das ausgesprochen oder durch Bewegung gezeigt werden.
Tantra Übung 3: Herz zu Herz Verbindung
Diese Tantra Übung lädt euch ein, Nähe wahrzunehmen, ohne sie zu erzeugen. Kein Ziel, kein Versprechen, kein Anspruch auf ein bestimmtes Gefühl. Nur ein Raum, in dem ihr spüren könnt, wie Kontakt sich im Moment zeigt.
Ihr sitzt euch gegenüber oder leicht versetzt, so nah oder so weit, wie es sich für beide gerade stimmig anfühlt. Eine Hand liegt auf dem eigenen Herzraum. Wenn es für beide passt, legt die andere Person eine Hand auf euer Herz. Alternativ können beide nur sich selbst berühren. Auch das ist vollständiger Kontakt.
Der Fokus liegt nicht auf dem Gegenüber, sondern auf dem eigenen Erleben.
Wie fühlt sich mein Brustraum gerade an? Weit oder eng, warm oder eher neutral?
Wie fließt der Atem?
Verändert sich etwas, wenn ich die Nähe wahrnehme, ohne etwas daraus machen zu wollen?
Wenn Nähe schön ist und wenn sie eng wird
Manche erleben diese Übung als sehr verbindend. Der Atem wird ruhiger, der Körper weicher, ein Gefühl von Ankommen stellt sich ein. Andere merken, dass Nähe im Brustraum Druck erzeugt. Der Atem stockt, Gedanken werden präsenter, vielleicht entsteht der Impuls, sich innerlich zurückzuziehen.
Beides ist richtig. Enge ist kein Zeichen von Scheitern, sondern ein Hinweis darauf, dass das Nervensystem gerade mehr Raum oder Orientierung braucht. Nähe darf dann kleiner werden. Die Hand kann zurück auf das eigene Herz gehen. Der Blick kann sich lösen. Auch ein leichter Positionswechsel ist willkommen. Wichtig ist, dass nichts festgehalten werden muss. Nähe darf kommen und gehen. Sie verliert ihre Qualität nicht, wenn sie sich verändert.
Tantra Übung 4: Berührung neu erleben
Sie verzichtet bewusst auf feste Abläufe und richtet die Aufmerksamkeit auf das, was zwischen euch entsteht. Berührung wird hier zu einem Gespräch, das ohne Worte auskommt und sich von Moment zu Moment verändert.
Eine Person beginnt mit langsamer, präsenter Berührung an einem neutralen Bereich, zum Beispiel an Armen, Rücken oder Schultern. Kein Ziel, keine Technik, kein innerer Plan. Die Hände bleiben weich, das Tempo ruhig. Die Frage im Hintergrund lautet nicht: Was mache ich als Nächstes, sondern: Wie reagiert der Körper unter meinen Händen gerade.
Die empfangende Person muss nichts erklären und nichts leisten. Der Körper antwortet ohnehin, durch einen tieferen Atemzug, ein leises Ausatmen, ein Nachgeben oder eine kleine Bewegung.
Wie ihr Rückmeldung geben könnt, ohne zu reden
Rückmeldung geschieht hier nicht über Worte, sondern über Präsenz. Ein Atem, der freier wird, lädt zum Dableiben ein. Ein Körper, der sich leicht wegdreht, zeigt, dass es gerade genug ist. Ein kleiner Impuls, näher zu kommen oder Abstand zu nehmen, gibt Orientierung.
Die gebende Person folgt diesen Zeichen, ohne sie zu interpretieren. Wenn der Atem tiefer wird, darf die Berührung bleiben oder noch langsamer werden. Wenn Spannung spürbar wird, hilft es oft, das Tempo zu reduzieren oder die Hände ruhen zu lassen. Auch das bewusste Verkürzen von Berührung gehört zum Dialog.
Diese Art von Rückmeldung braucht Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich korrigieren zu lassen. Berührung wird dadurch weniger kontrolliert und zugleich klarer, weil sie sich am tatsächlichen Erleben orientiert.
Wenn Unsicherheit auftaucht und wie ihr dann weiter macht
Unsicherheit gehört zu dieser Tantra Übung dazu. Sie zeigt sich oft leise, als inneres Zögern, als Gedanke, ob das gerade passt, oder als Wunsch, etwas besser zu machen. Statt darüber hinwegzugehen, darf Unsicherheit langsamer machen.
Wenn sie auftaucht, hilft es, das Tempo weiter zu reduzieren oder einen Moment innezuhalten. Die Hände können liegen bleiben, ohne sich zu bewegen. Auch ein kurzer Positionswechsel oder eine Pause im Kontakt ist stimmig. Der Dialog reißt dadurch nicht ab, er wird oft ehrlicher.
Manchmal wird auch klar, dass der Kontakt für einen Moment ganz enden möchte. Dann darf er enden. Berührung verliert nichts, wenn sie sich zurückzieht. Im Gegenteil, sie gewinnt an Vertrauen, weil der Körper merkt, dass er ernst genommen wird. Nach einigen Minuten werden die Rollen getauscht.
Tantra Übung 5: Sinnlichkeit über die Sinne
Freut euch auf eine körpernahe und genussvoll Tantra Übung, die eine leise, tiefe Verbindung entstehen lässt. Es geht hier nicht darum, Erregung aufzubauen oder Sexualität einzuleiten, sondern es geht um Empfindung. Um das feine Spüren dessen, was zwischen zwei Menschen geschieht, wenn nichts erreicht werden muss.
Eine Person liegt oder sitzt bequem, so, dass der Körper sich entspannen kann. Die andere bleibt aufmerksam im Kontakt, ohne Eile, ohne Plan. Die Berührung beginnt an Stellen, die im Alltag selten bewusst berührt werden. An den Unterarmen, am Nacken, entlang der Schlüsselbeine, am Handrücken oder an der Außenseite der Oberschenkel.
Die Hände bewegen sich langsam, fast tastend. Die innere Aufmerksamkeit richtet sich weniger auf das Tun als auf die Wahrnehmung. Wie fühlt sich die Haut dieses Menschen heute an? Warm oder kühl, weich oder gespannt, lebendig oder ruhig? Die Berührung folgt diesem Eindruck, nicht einer Idee davon, wie Sinnlichkeit aussehen sollte.
Die empfangende Person darf einfach spüren. Es gibt nichts zu zeigen, nichts zurückzugeben, nichts zu steuern. Die berührende Person bleibt ebenfalls bei sich, im eigenen Körper, im eigenen Atem, und lässt die Hände nur so weit gehen, wie es sich stimmig anfühlt. Nach einigen Minuten wird gewechselt, ohne Kommentar, ohne Bewertung.
Manche Paare merken nach solchen sinnlichen Momenten, wie wohltuend ein geschützter Raum außerhalb des Alltags sein kann. In meinen Tantra Workshops für Paare geht es genau um diese Qualität von Nähe.
Leise Sinnlichkeit erleben
Was diese Tantra Übung oft auslöst, ist kein Hochfahren, sondern ein Absinken. Ein stilles Genießen, das nicht laut wird. Manche spüren Lust, andere Wärme, andere eine tiefe Entspannung. Manche merken auch, wie ungewohnt es ist, Sinnlichkeit zu erleben, ohne dass daraus etwas werden soll. Auch das gehört dazu.
Wenn während der Tantra Übung Druck entsteht oder eine Erwartung spürbar wird, hilft es, das Tempo weiter zu verlangsamen oder die Berührung zu verkleinern. Manchmal reicht es, die Hand einfach liegen zu lassen und nichts weiter zu tun. Sinnlichkeit darf jederzeit leiser werden. Sie verliert dadurch nichts, sondern wird oft klarer und ehrlicher.
Diese Übung wirkt besonders verbindend für Paare, bei denen Sinnlichkeit im Alltag wenig Raum hat oder schnell funktional wird. Sie erinnert daran, dass Lust nicht gemacht werden muss, sondern dort entsteht, wo nichts eingefordert wird. Wo Berührung nicht etwas will, sondern einfach da ist.
Nachspüren, ohne es zu zerreden
Nach einer Tantra Übung entsteht oft ein feiner Moment, der leicht übergangen wird. Etwas klingt nach, im Körper, im Kontakt, manchmal auch nur als leises Gefühl von Weite oder Müdigkeit. Genau dieser Moment ist wertvoll und gleichzeitig empfindlich. Viele Paare greifen hier schnell zu Worten. Aus dem Wunsch heraus, es richtig zu machen, etwas festzuhalten oder sich abzusichern. Wie war das für dich? War das gut so? Hast du etwas gespürt?
Nachspüren heißt zuerst einmal ganz bei sich bleiben, beim eigenen Körper und beim Atem. Bei dem, was sich gerade zeigt, ohne es einordnen zu müssen. Vielleicht fühlt sich etwas klarer an, vielleicht auch ungewohnt leer. Manchmal ist da Nähe, manchmal Distanz. Alles darf da sein, ohne erklärt zu werden.
Es kann hilfreich sein, sich dafür einen Moment Zeit zu nehmen. Bleibt nach den Tantra Übungen für einen Moment lang sitzen und spürt nach. Schließt die Augen, nehmt ein paar tiefe Atemzüge und lauscht in euren Körper hinein, bevor ihr in einen verbalen Austausch geht. Der Körper bekommt so die Möglichkeit, das Erlebte zu integrieren, statt sofort in Bewertung oder Bedeutung zu rutschen.
Wenn ihr merkt, dass Worte entstehen möchten, dürfen sie einfach bleiben. Keine Analyse, kein Abgleichen, kein gegenseitiges Überzeugen. Sätze wie „Ich bin gerade müde geworden“, „Ich habe gemerkt, dass mein Atem ruhiger wurde“ oder„Für mich war das näher, als ich erwartet hätte“ reichen vollkommen.
Im Tantra sprechen wir oft von einfachen Zugängen zur Lust, wie Aufmerksamkeit oder Bewegung. Die vier Schlüssel dazu habe ich hier beschrieben.
Fazit: Tantra Übungen für mehr Nähe im ganz normalen Alltag
Tantra Übungen müssen nichts Besonderes herstellen. Sie können ganz schlicht sein und genau deshalb viel bewirken. Oft beginnt Nähe dort, wo niemand etwas leisten muss und der Körper spürt, dass er gehört wird. Wenn Berührung langsamer werden darf, wenn Pausen erlaubt sind und Unterschiedlichkeit Platz hat, verändert sich der Kontakt fast von selbst. Nähe fühlt sich dann weniger nach Aufgabe an und mehr nach etwas, das entstehen darf.
Diese Art von Tantra Übungen passt gut in den ganz normalen Alltag. Zwischen Terminen, abends im Bett oder in kurzen Momenten zwischendurch. Sie brauchen keine besondere Stimmung und keinen perfekten Zeitpunkt. Es reicht, wenn ihr euch einen Moment nehmt, ehrlich hinzuspüren und dem Körper zu folgen. Und oft zeigt sich genau dann etwas, das im Alltag leicht verloren geht: ein Gefühl von Verbundenheit.



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